Nach erfolgreichem Pilotprojekt: 25 PAULs im Einsatz

Schulungen zur richtigen Handhabung waren ein wesentlicher Bestandteil des erfolgreichen Einsatzes (Foto:ChildFund e. V.)
An Kliniken und Gesundheitsstationen haben Patienten, Personal und Besuchern nun Zugang zu sicher trinkbarem Wasser.
An Schulen und Kindergärten profitieren hunderte von Kindern täglich - während der Regenzeit wird der Filter an zentraler Stelle für die ganze Gemeinde zugänglich gemacht. (Fotos: ChildFund e. V.)

Nach dem erfolgreichen Einsatz eines „Pilot“-PAULs (Portable Aqua Unit for Lifesaving) erhielt ChildFund Deutschland e. V. im Sommer 2015 eine Sachspende von 25 Wasserfilter PAUL für ein Wasserprojekt zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung und der Hygienestandards in Dörfern der West Coast Region von Gambia (Westafrika).

Ziel übertroffen – Doppelt so viele Menschen erreicht!

Das Fazit des Abschlussberichts lautet, dass die Ziele des Projekts – die Verfügbarkeit von sauberem Wasser für rund 5.000 Menschen zu sichern – nicht nur erfüllt, sondern weit übertroffen wurden. Zu dem Bündel an Maßnahmen gehörten die Bohrung und der Bau von vier neuen Brunnen, der Verlängerung von Wasserleitungen und der Errichtung von 18 neuen Wasserzapfstellen sowie der Bau eines kompletten Solarpumpensystems. Der zusätzliche Einsatz der Wasserfilter konnte die Zahl der profitierenden Menschen signifikant erhöhen. Zusammen mit der allgemeinen Verbesserung der Hygienestandards in den Gemeinden durch bewusstseinsbildende Maßnahmen und Hygieneschulungen wurde durch PAULs Einsatz ein deutlicher Rückgang der Infektionszahlen wasserübertragbarer Krankheiten bei Kindern und Erwachsenen verzeichnet werden.

Nach einer langen Reise: 25 PAULs in Gambia im Einsatz

Von den insgesamt 25 PAULs wurden 18 direkt im Projekt eingesetzt, sieben der Filter übernahm die gambische nationale Katastrophen-Management-Behörde (National Desaster Management Agency - NDMA) zur Verteilung in weiteren Landesregionen. Die NDMA setzte die Wasserfilter hauptsächlich an Schulen ein, wobei bei Überschwemmungen während der Regenzeit, die Filter aus den Schulen entnommen und zentral in den Gemeinden aufgestellt werden. Damit können mehr als weitere 5.000 Menschen von der Versorgung mit sauberem Wasser profitieren. In der letzten Regenzeit stellte ein zweiköpfiges, von der Behörde abgeordnetes Notfallkomitee diese Umdisponierung sicher. Die Schulversorgung wird dadurch nicht beeinträchtigt, da die Schulen während der Regenzeit geschlossen sind.

Bis PAUL vom Lager in Tönisvorst an seinen finalen Bestimmungsort in Gambia gelangt war, verstrich einige Zeit. Die Filter wurden mit einem Container zusammen mit weiterem Projektequipment geliefert. Da PAUL zur Regenzeit in Gambia ankam, konnte die Verteilung erst im Oktober 2015 erfolgen. Zu den jeweiligen Standorten reisten die Filter nicht allein. ChildFund Gambia stellte jeweils zwei Personen an vier Kindergärten, zwei Schulen und zwei Kliniken für die Betreuung und Instandhaltung der Filter ab, in den insgesamt neun Dörfern wurde jeweils aus den Gemeindemitgliedern ein sechsköpfiges Wasserkomitee gebildet – mit jeweils zwei Verantwortlichen für PAUL. An den sechs Schulen, die von der NDMA beliefert wurden, steht jeweils der „Caretaker“ (Hausmeister) PAUL zur Seite.

Damit PAUL effizient genutzt werden kann, investierte ChildFund nicht nur in die Transport-. Zoll- und Personalkosten, sondern stellte außerdem Zubehör (Wassertanks, -leitungen, Eimer und Metalltische) im Gegenwert von rund 1.000 Euro zur Verfügung.  Wichtigster Posten bei den „Nebenkosten“ sind allerdings die personellen Begleitmaßnahmen.

Gut begleitet leistet PAUL gute Arbeit

Die Bedienung und Wartung des Wasserfilters, deren Erklärung sich im Katastropheneinsatz ursprünglich durch den Aufdruck von vier Piktogrammen auf dem Gehäuse PAULs beschränkte, forderte auch in Gambia zusätzlichen Aufwand. Eine Schulung der PAUL-Verantwortlichen ist nach den Erfahrungen von ChildFund unersetzlich. Alle Beteiligten nahmen an insgesamt viertägigen Trainings zur Handhabung und Wartung der Filter teil. Auch zukünftig werden regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch und Monitoringbesuche notwendig sein. Die mitgelieferte Betriebsanweisung  bewerteten sie im Dauereinsatz als nicht ausreichend. Insbesondere vor dem Trockenfallen der Filtermembran musste eindringlich gewarnt und die Folgen erklärt werden, damit dieser Punkt ausreichend beachtet wurde. Die NDMA konnte weniger Schulungseinsatz gewährleisten und eine Begleitung und eine regelmäßige Überprüfung, dass die Wartungsregeln beachtete werden, hält ChildFund für unerlässlich. Sie berichten über einen Besuch an einer Schule, in der der Schulleiter den Filter aufschrauben wollte, um ihn zu säubern – das hätte den PAUL unbrauchbar gemacht. Auch an anderen Schulstandorten der NDMA, wo das Personal nicht so intensiv geschulte wurde, bereitete der Filter den Nutzern augenscheinlich „einiges Kopfzerbrechen“.

Auch Bienen fliegen auf PAUL

Kurios ist eine kleine Komplikation, die uns bisher nicht bekannt war: In der Trockenzeit gab es an allen PAUL-Standorten Probleme mit Bienen, die in den Ablaufschlauch krochen und dadurch den Ablauf stoppten. Nur ein Abnehmen des Schlauches und ein beherztes Durchpusten durch einen Projektmitarbeiter konnte diese Verstopfung beseitigen. Zukünftig könnten kleine Siebe am Schlauchende hier Abhilfe schaffen.

Mehr Gesundheit durch sauberes Wasser mit PAUL

Insgesamt sind die Projektbeteiligten sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Dank der begleitenden Maßnahmen und der sorgfältigen Erklärung der sachgemäßen Handhabung liefern die PAULs zuverlässig rund 15.000 Liter sauberes Wasser täglich und bewahren so langfristig  tausende von Kindern und Erwachsenen vor wasserübertragbaren Krankheiten. ChildFund hat im Pilotprojekt mit PAUL an einem Kindergarten in Gambia (LION 04/2013) vor, während und nach zweijährigen Einsatz  Wasseranalysen mit staatlichen Labors durchgeführt, die eine hervorragende Reinigungsleistung des PAULs bestätigten. Heute wie damals zeigte sich: Vor allem die, besonders für Kinder und ältere Menschen gefährlichen Durchfallerkrankungen kommen bei den PAUL-Nutzern so gut wie nicht mehr vor. 

Bei jedem WaSH-Projekt inbegriffen ist die Vermittlung eines hohen Grades an Wissen über grundsätzliche Hygieneregeln. Dazu gehört das Wissen um die Wichtigkeit, nur sauberes Wasser zu trinken. Dass sauberes Wasser zur Verfügung steht, dafür steht PAUL.

Pilotprojekt PAUL in Gambia

(04.04.2013) Im März 2013 reiste erstmals ein PAUL (Portable Aqua Unit for Lifesaving) mit der Hilfsorganisation ChildFund Deutschland e.V. nach Gambia. Der Einsatz des Wasserfilters PAUL an einem Kindergarten in der westlichen Küstenregion Gambias ist zunächst ein Pilotprojekt.

Die Kinder im Kindergarten Sintet Fulla Kunda haben als Wasserquelle lediglich einen lokalen offenen Brunnen. Da insbesondere Kleinkinder von wasserbedingten Krankheiten befallen werden, soll der Einsatz von PAUL den Gesundheitsstatus der Kindergartenkinder und der Angestellten wesentlich verbessern. Da sich die einzige sichere Wasserquelle sehr weit entfernt befindet stand bisher nur das verkeimte Brunnenwasser zur Verfügung. Mit dem Einsatz von PAUL wird erreicht, dass während der Kindergartenzeit sauberes Wasser getrunken wird.

PAUL filtert Wasser für über 150 Kinder

In Gambia werden vom ersten PAUL zunächst ca. 153 Kinder profitieren sowie zusätzlich dreizehn erwachsene Angestellte. Eine der Kinderfrauen, Mrs. Jallow Sanneh (im Bild) ist zur Handhabung und Wartung von PAUL geschult worden und das nahegelegene Regionalbüro des Projekts gewährleistet zusätzliche Unterstützung. ChildFund Deutschland e.V. hat angeregt, auch für Familien in der näheren Umgebung gefiltertes Wasser bereit zu stellen. Der Filter ist inzwischen in den täglichen Betrieb gegangen. Es werden regelmäßig Wasserproben zur Kontrolle genommen, zum Vergleich auch vom offenen Brunnenloch, aus dem bisher Trinkwasser schlechter Qualität gezogen wurde. Aus dem Gesundheitszentrum gegenüber dem Kindergarten wird die Häufigkeit von auftretenden Krankheitsfällen erfasst und die Zahlen der Vergangenheit mit den zukünftigen Zahlen verglichen, um den Effekt des Einsatzes von PAUL auf die Gesundheit der Kinder feststellen zu können.

Ausweitung des Projekts möglich

Der Einsatz des Filters im Rahmen eines solchen Pilotprojekts wird von der lokalen Wasserbehörde Gambias ausdrücklich begrüßt. Sollte sich PAUL in der Praxis bewähren, sind beide Partner interessiert, die Filter auch in größerer Stückzahl einzusetzen. Dadurch könnte langfristig die Versorgung mit lebenswichtigem Wasser, das nicht krank macht, in Zukunft für noch mehr Kinder gesichert werden.
Sauberes Wasser an Schulen und/oder Kindergärten hat noch einen zweiten wichtigen Effekt: Die Eltern nehmen diese gesamtgesellschaftlich wichtigen Einrichtungen so als verantwortungsvolle Institutionen wahr, denen nicht nur die Bildung, sondern auch die Gesundheit ihrer Kinder am Herzen liegt. Die Entscheidung für eine geteilte Verantwortung mit staatlichen Institutionen für die Zukunft und Bildung der eigenen Kinder wird damit im Zweifelsfall zusätzlich begünstigt. So kann PAUL, wenn auch indirekt, sogar ein wenig zum „Bildungshelfer“ werden.

ChildFund Deutschland e.V. ist Partner des HDL im Aktionsbündnis „Gemeinsam für Afrika“. Deutsche NGOs setzen sich mit Unterstützung von „Gemeinsam für Afrika“ für ein differenzierteres Afrikabild in unserer Gesellschaft ein. Der Austausch und die regelmäßigen Treffen im Rahmen des Bündnisses bietet den beteiligten Organisationen Gelegenheit für wertvollen Erfahrungsaustausch und Kooperationen. ChildFund Deutschland e.V. trägt, wie das HDL, das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), welches belegt, dass eine Organisation mit den ihr anvertrauten Geldern sorgfältig und verantwortungsvoll umgeht. Seit 35 Jahren lautet der Auftrag von ChildFund Deutschland e.V., Kindern in Not eine bessere Zukunft zu schenken. Vom Standort Nürtingen bei Stuttgart aus engagiert sich das größte Kinderhilfswerk Baden-Württembergs gemeinsam mit mehr als 50.000 Spendern, Paten und Stiftern in derzeit 43 Ländern weltweit.

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